Montag, September 28, 2009

This Year's Love

Nach vier Jahren Einparteienstaat hat sich der Bürger also dazu entschieden, die Notwendigkeit von Regierung UND Opposition doch wieder mal einzuführen. Jetzt bleibt nur eine Frage, was schlimmer gewesen wäre: Eine Regierung bestehend aus einer Partei, die nach 23 Jahren wieder einen Rekord aufgestellt hat, einer anderen Partei, die seit ihrer Gründung so ziemlich alles beerdigt hat an Prinzipien, die sie damals in den Gründungstagen hatte (der Atomausstieg macht es allein auch nicht!) und einer dritten Partei, welche ein Sammelbecken für Steinzeitkommunisten, Ex-SEDlern und enttäuschten Arbeitnehmern aus der Industrie geworden ist.
Die andere Alternative ist eine Partei, welche durch Nichtinhalt immerhin einen ganzen Wahlkampf bestritten hat (und wohl, erschreckenderweise, damit durchgekommen ist) in Zusammenarbeit mit einer Partei, deren Neo-Liberalismus nicht ganz unschuldig an der aktuellen Situation ist.
Beides ist letztendlich nicht unbedingt so mein Ding, aber ich finde den Wahlausgang am Ende wegen drei Personalien sehr schade. Zuerst muss ich sagen, dass Steinmeier seinen Job als Vize-Kanzler und Außenminister gut gemacht hat. Auch Steinbrück hat mir gefallen. Der Dritte ist Guttenberg, dessen Posten als Wirtschaftsminister Begehrlichkeiten weckt.

Aber so wirklich gewonnen haben weder SPD noch CDU. Erschreckend ist hingegen die Wahlbeteiligung von 71%. I
Ich glaube nicht, dass das an den Bürgern liegt.

Sonntag, September 20, 2009

The Promise You Made

Ich wundere mich ja immer wieder, was manche Menschen dazu bewegt, bestimmte Fächer zu studieren. Mathematik, Maschinenbau und Informatik sind für mich absolut sterbenslangweilige Themen und ich dachte eigentlich immer, dass ich mit Rechtswissenschaften etwas gefunden hätte, was einem auch leicht den Blick über den Tellerrand ermöglicht. Ein wenig Geschichte, viel Politik (meiner Meinung nach ist Rechtswissenschaften mit der politisierteste Studiengang, man entwickelt zumindest schnell ein Gefühl für eine "Politik der Vernunft" und die weicht oftmals von der Wirklichkeit drastisch ab), Philosophie, Biologie (die Seiten, die die verschiedenen juristischen Definitionen der Begriffe "Tod" und "Befruchtung" füllen, halten mit dem Berliner Telefonbuch mit), alles in allem kommt man viel herum. Jetzt schreibe ich seit einer Woche meine große Hausarbeit im öffentlichen Recht und kann jetzt verstehen, wie "unsexy" ein Studiengang eigentlich sein kann. Um nicht zu weit auszuschweifen, das Thema handelt grob gesagt von einer baurechtlichen Problematik eines Windenergiepark-Baus beziehungsweise die verwaltungsrechtliche Problematik des Verschleppens dessen Bauantrags. Ein wenig Anfechtungsklage, ein wenig Amtshaftung, kurzum, es führt nicht zu der Stelle in einem Gespräch, in dem der Gesprächspartner sagt "Bitte erzähl mir unbedingt mehr davon!" Und ich mag es! Aber ich muss ja irgendwie dem Titel dieses Blogs gerecht werden.

PS: Wenn jemand eine Freikarte für die IAA haben möchte, kann sich bei mir melden. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!

Sonntag, September 13, 2009

I'm Gonna Be (500 Miles)

Ganz böser Scheiß. Also entweder neige ich zu einem überproportionalem Maß an Selbstüberschätzung oder die Freundin eines sehr guten Bekannten hat wirklich Lust auf ein wenig Tim. Ich kann mir nicht helfen, aber jedes Mal, wenn ich mit ihr spreche fühle ich mich angegraben. Und meine Freunde, die dies ungerührt live mitbekommen, geben mir Recht. Es gibt folglich jene Möglichkeiten:

1. Ich halte still, sie hält still, alles wird gut.

2. Ich gebe Attacke, sie hält still, ich falle auf die Schnauze.

3. Ich halte still, sie gibt Attacke und ich falle auf die Schnauze.

4. Ich gebe Attacke, sie gibt Attacke und ich falle auf die Schnauze.

Es gilt ja der goldene Satz "Bros before Hoes", daher werde ich mal schön meine Fingerchen bei mir behalten und ausnahmsweise Ärger vermeiden. Es gibt Dinge, die tut man jemandem, den man halbwegs gut leiden kann, einfach nicht an. Da gehört neben mit AIDS infizieren und bei Schalke 04 anmelden die Freundin ausspannen dazu. Ich als ein notorischer Mann von Ehre werde mich natürlich daran halten.

Aber mal schauen, was sie so auf meine unverbindliche, rein freundschaftliche Email antwortet.

Dienstag, September 08, 2009

Please Don't Go

Der Großteil der Menschheit verbindet one-night-stands mit Aufregung vor dem Unbekannten, Bestätigung des eigenen Marktwertes und einen Hauch von gelebter Unselbstständigkeit. Alles bullshit. Ich wurde geschlagen, gebissen, getreten und gekratzt. Für jedes "Normalerweise mache ich so etwas nicht" hätte ich einen Euro bekommen sollen und müsste jetzt nicht mehr mit einem lilafarbenen Damenrad durch die Gegend fahren. Feste Beziehungen zählen schon gar nicht, erntere Bedenken kamen nie wirklich auf. Und es war immer langweilig. Ich habe zwischendurch sogar SMS geschrieben. Ich habe gelernt, je besoffener und prolliger ich mich benommen habe, desto größer waren meine Chancen. Folglich war das Niveau immer eher bescheiden, der Großteil der Frauen, die ich kennen lerne, kann man getrost in die Tonne werfen. Eine Buchbesprechung ist nicht drin. Erst wenn man eine kennen lernt, die sich deutlich von der Masse abhebt, merkt man, dass der eigene Marktwert vielleicht doch nicht so groß ist und fällt auf die Schnauze.

Es ist einfach in jeder Beziehung unbefriedigend. Nat King Cole hat mal etwas sehr interessantes gesungen:

"The greatest thing you'll ever learn is to love and be loved in return."
Da ist etwas Wahres dran. Mag es spaßig sein, zu tun oder zu lassen, was man will, aber neben jemandem aufwachen, ohne zu denken "Scheiße, wo sind meine Klamotten? Gut, dass ich die Armbanduhr angelassen habe!" ist wesentlich mehr wert als ein "Spontankontakt", wie einer meiner Professoren so etwas nennt.

Dienstag, September 01, 2009

Communication Breakdown

Falls sich mal jemand gewundert hat, warum meine Blogeinträge immer spärlicher werden, dem liefe ich jetzt die Erklärung. Nein, es ist keine Frau, die mich davon abhält, sondern Twitter. Twitter ist ein sogenanntes Micro-Blog, dass es jedem erlaubt, eine Art Blogeintrag auf 140 Zeilen komprimieren zu müssen. Der Vorteil: Man kann schnell und von überall aus diese Einträge verfassen. Der Nachteil: Man muss für einen guten Tweet sowohl Kreativität als auch die Fähigkeit, komplexe Ideen verständlich zu übertragen auf 140 Zeichen hineinpressen.
Dementsprechend groß ist auch die Spannbreite der Qualität. Während circa 98% des Inhalts leerer, uninteressanter Müll sind der Kategorie "Ich mache gerade den Abwasch", findet man hier und da doch ein paar gute Seiten des Web 2.0.
Wirklich bemerkenswert finde ich die Personen, die meinen Account verfolgen. Ich habe ungefähr alle zwei Tage einen follower und es sind fast ausschließlich irgendwelche Pornoseiten-Accounts. Das ist ziemlich verstörend, wenn man bedenkt, dass ich, als ich gerade mit Twitter angefangen habe mal einfach auf einen Link nach dem Moto "So entspanne ich mich" geklickt habe und dann einer drallen Blondine in voller Lautstärke (ich hatte Musik gehört und dementsprechend laut war die Anlage aufgedreht) nach Strich und Faden in sämtliche Körperöffnungen gevögelt wurde. Nach 20 Minuten habe ich das Fenster dann empört geschlossen.
Das wirklich Schöne ist aber natürlich die Akualität. Twitter hat (mehr oder weniger gepusht) zum Beispiel den ersten internationalen Auftritt anlässlich der Ausschreitungen nach den Wahlen im Iran gehabt.
Leider kann ich momentan nicht sonderlich aktuell twittern, da T-Mobile es anscheinend doch recht überraschend fand, dass ich vier Monate nach Vertragsschluss am Tag des Vertragsbeginn das Netz nutzen wollte und einfach dann doch mal 24 Stunden braucht, um mir den Zugang zu gewähren. Jetzt habe ich endlich das chice 3GS und kann damit nur Musik hören.

Montag, August 24, 2009

Got To Get You Out Off My Mind

Ich habe letztens das Buch "High Fidelity" gelesen und eine Freundin hat mir eine sehr interessante Frage gestellt.

"Hast du dich darin wiedererkannt?"

Ja, das habe ich. Und ich glaube, das wird jeder. Mal davon abgesehen, dass einem in jedem Stück Literatur Charaktere begegnen, die einem das Gefühl vermitteln, dass man solche Menschen schon einmal getroffen hat, personifiziert der Hauptcharakter aus Rob aus Hornbys Buch so ziemlich alles, was man schon einmal in Beziehungsdingen falsch gemacht hat. Besonders spannend ist die Stelle, in der Rob die Damen seiner "most memorable split-ups" aufsucht, um herauszufinden, warum er seine letzte Freundin (Laura) verloren hat. Also ich kenne ein paar post mortem Reaktionen von Frauen, mit denen ich mehr oder weniger mal involviert war. Allerdings weiß ich noch nicht so ganz, wie ich Streit, von ihr ignoriert werden, Flucht ihrerseits und peinliche Stille nach Grausamkeit ordnen soll (das waren wohlgemerkt jeweils andere Kandidatinnen). Im Nachhinein kann man meistens über so etwas lachen, teilweise wird man ja anders gar nicht mit solchen Sachen fertig.
Besonders interessant fand ich, dass Rob keineswegs mit sauberer Weste durch sein Leben läuft, er bringt indirekt seine Schwangere Freundin dazu, ihr Baby abzutreiben, als dieser mit einer anderen Frau fremd geht, die sich im Nachhinein zwar als Granate im Bett, aber auch als ziemliche Nervensäge herausstellt.

Das ist wahrlich keine reife Basis für eine weitere Beziehung.

Aber Robs Weg zu einem reifen Menschen ist garantiert einen Buchkauf wert.

Montag, August 17, 2009

A View To A Kill

Es gibt Dinge, die ich einfach nicht leiden kann. Dinge wie schlechtes Fernsehprogramm, den Boulevard, unausgegorene Berichterstattung, Brokolli (mal ehrlich, wer will schon was essen was aussieht und schmeckt, als hätte es man unter der Vorhaut eines Berufsalkoholikers herausgekratzt?), absolut jeden anderen Straßenverkehrsteilnehmer, Reggae, therapeutisches Gelaber, Ryan Reynolds (der Arsch hat meine Scarlett geheiratet!), jede Art der Religion oder sonstiger folkloristischer Hokuspokus, Minderheiten, Mehrheiten, Menschen ohne Meinung, Fette, Bullshit, rechthaberische Vollretadierte, Kinderschänder und vor allem und ganz besonders Schalke 04.

Aber es gibt etwas, was ich wirklich hasse, etwas, was mich rasend macht. Es passiert tagtäglich und es lässt sich nicht vermeiden, wenn man sich nicht vollkommen von der restlichen menschlichen Rasse abkapseln will. Etwas so ungeheuerliches, dass ich mich schon aufrege, wenn ich nur daran denke. Ich rede davon, mit Scheiße vollgelabert zu werden, die mich einen Scheiß interessiert. Mit Scheiße vollgelabert zu werden, die mich einen Scheiß interessiert ist das ultimative Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es sind keine exorbitante Managerboni, Angriffskriege oder nachrichtendiensliche Geheimfolterknasts am Arsch der Welt, nein, es ist mit Scheiße vollgelabert zu werden, die mich einen Scheiß interessiert. Mal ganz im Ernst, sehe ich aus wie ein Therapeut? Ehrlich, ich bin der Letzte auf diesem Planeten, der einem irgendwie helfen kann (und wahrscheinlich auch will), also warum muss ich mir so etwas anhören? Ich kann sagen, was ich bin: sozialgestörter single, pathologisch faul und mein Kater bekommt am Donnerstag die Eier abgenommen. Und ich kann sagen, was ich nicht bin: Paartherapeut, Motivationstrainer oder Tierarzt. Selbst wenn ich eine flachlegen will, interessiert mich die Lebensgeschichte nicht. Ein sicheres Anzeichen, WANN ich WAS wissen will, ist, wenn ich danach frage. Wenn ich frage, frage ich in ehrlicher Absicht. Und sonst nicht! Nein! Niemals! Und wenn ich noch so vertrauenserweckend herumstehe, es interessiert mich nicht! Ich will das alles gar nicht wissen! Also möge man mich bitte verschonen! Also redet mit jemandem, der sich damit auskennt! Oder bezahlt mich wenigstens, wenn es gar nicht anders geht. Oder nehmt euch einen Strick.

Aber wenn mich dagegen mal wirklich beeindrucken will, als Beispiel mal hier klicken.